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	<title>Juristen-Blog.de &#187; Patientenverfügung</title>
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		<title>BGH: Abbruch lebenserhaltender Behandlung auf Grundlage des Patientenwillens nicht strafbar</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Jul 2010 15:37:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>RA Exner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Familienrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Strafrecht]]></category>
		<category><![CDATA[BGH]]></category>
		<category><![CDATA[Patientenverfügung]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsanwalt]]></category>

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		<description><![CDATA[BGH, Urteil vom 25.06.2010, Az. 2 StR 454/09 &#8211; Das Landgericht hat den Angeklagten P. wegen versuchten Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten verurteilt und deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt. Die ursprünglich mitangeklagte Frau G. hat das Landgericht rechtskräftig freigesprochen. Der Angeklagte ist ein für das Fachgebiet des Medizinrechts spezialisierter Rechtsanwalt. Nach den Feststellungen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.juristen-blog.de/tag/bgh/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with BGH">BGH</a>, Urteil vom 25.06.2010, Az. 2 StR 454/09 &#8211;  Das Landgericht hat den Angeklagten P. wegen versuchten Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten verurteilt und deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt. Die ursprünglich mitangeklagte Frau G. hat das Landgericht rechtskräftig freigesprochen.<br />
Der Angeklagte ist ein für das Fachgebiet des Medizinrechts spezialisierter <a href="http://www.juristen-blog.de/tag/rechtsanwalt/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Rechtsanwalt">Rechtsanwalt</a>. Nach den Feststellungen des Landgerichts beriet er die beiden Kinder der 1931 geborenen Frau K., nämlich die mitangeklagte Frau G. und deren inzwischen verstorbenen Bruder. Frau K. lag seit Oktober 2002 in einem Wachkoma. Sie wurde in einem Pflegeheim über einen Zugang in der Bauchdecke, eine sog. PEG-Sonde, künstlich ernährt. Eine Besserung ihres Gesundheitszustandes war nicht mehr zu erwarten.</p>
<p><span id="more-871"></span></p>
<p>Entsprechend einem von Frau K. im September 2002 mündlich für einen solchen Fall geäußerten Wunsch bemühten sich die Geschwister, die inzwischen zu Betreuern ihrer Mutter bestellt worden waren, um die Einstellung der künstlichen Ernährung, um ihrer Mutter ein Sterben in Würde zu ermöglichen. Nach Auseinandersetzungen mit der Heimleitung kam es Ende 2007 zu einem Kompromiss, wonach das Heimpersonal sich nur noch um die Pflegetätigkeiten im engeren Sinne kümmern sollte, während die Kinder der Patientin selbst die Ernährung über die Sonde einstellen, die erforderliche Palliativversorgung durchführen und ihrer Mutter im Sterben beistehen sollten.</p>
<p>Nachdem Frau G. am 20.12.2007 die Nahrungszufuhr über die Sonde beendet hatte, wies die Geschäftsleistung des Gesamtunternehmens am 21.12.2007 jedoch die Heimleitung an, die künstliche Ernährung umgehend wieder aufzunehmen. Den Kindern der Frau K. wurde ein Hausverbot für den Fall angedroht, dass sie sich hiermit nicht einverstanden erklären sollten. Darauf erteilte der Angeklagte P. Frau G. am gleichen Tag den Rat, den Schlauch der PEG-Sonde unmittelbar über der Bauchdecke zu durchtrennen.</p>
<p>Frau G. schnitt Minuten später mit Unterstützung ihres Bruders den Schlauch durch. Nachdem das Heimpersonal dies bereits nach einigen weiteren Minuten entdeckt und die Heimleitung die Polizei eingeschaltet hatte, wurde Frau K. auf Anordnung eines Staatsanwalts gegen den Willen ihrer Kinder in ein Krankenhaus gebracht, wo ihr eine neue PEG-Sonde gelegt und die künstliche Ernährung wieder aufgenommen wurde. Sie starb dort zwei Wochen darauf eines natürlichen Todes auf Grund ihrer Erkrankungen.</p>
<p>Das Landgericht hat das Handeln des Angeklagten als einen gemeinschaftlich mit Frau G. begangenen versuchten Totschlag durch aktives Tun – im Gegensatz zum bloßen Abbruch einer lebenserhaltenden Behandlung durch Unterlassen – gewürdigt, der weder durch eine mutmaßliche Einwilligung der Frau K. noch nach den Grundsätzen der Nothilfe oder des rechtfertigenden Notstandes gerechtfertigt sei. Auch auf einen entschuldigenden Notstand könne sich der Angeklagte nicht berufen. Soweit er sich in einem sog. Erlaubnisirrtum befunden habe, sei dieser für ihn als einschlägig spezialisierten <a href="http://www.juristen-blog.de/tag/rechtsanwalt/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Rechtsanwalt">Rechtsanwalt</a> vermeidbar gewesen.</p>
<p>Die Mitangeklagte G. hat das Landgericht freigesprochen, weil sie sich angesichts des Rechtsrats des Angeklagten in einem unvermeidbaren Erlaubnisirrtum befunden und deshalb ohne Schuld gehandelt habe.</p>
<p>Der 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat das Urteil auf die Revision des Angeklagten aufgehoben und ihn freigesprochen.</p>
<p>Die Frage, unter welchen Voraussetzungen in Fällen aktueller Einwilligungsunfähigkeit von einem bindenden Patientenwillen auszugehen ist, war zur Tatzeit durch miteinander nicht ohne weiteres vereinbare Entscheidungen des Bundesgerichtshofs noch nicht geklärt. Divergenzen in der Rechtsprechung betrafen die Verbindlichkeit von sog. Patientenverfügungen und die Frage, ob die Zulässigkeit des Abbruchs einer lebenserhaltenden Behandlung auf tödliche und irreversibel verlaufende Erkrankungen des Patienten beschränkt oder von Art und Stadium der Erkrankung unabhängig ist, daneben auch das Erfordernis der gerichtlichen Genehmigung einer Entscheidung des gesetzlichen Betreuers über eine solche Maßnahme. Der Gesetzgeber hat diese Fragen durch das sog. Patientenverfügungsgesetz mit Wirkung vom 1. September 2009 ausdrücklich geregelt. Der Senat konnte daher entscheiden, ohne an frühere Entscheidungen anderer Senate gebunden zu sein.</p>
<p>Das Landgericht ist im Ergebnis zutreffend davon ausgegangen, dass die durch den Kompromiss mit der Heimleitung getroffene Entscheidung zum Unterlassen weiterer künstlicher Ernährung rechtmäßig war und dass die von der Heimleitung angekündigte Wiederaufnahme als rechtswidriger Angriff gegen das <a href="http://www.juristen-blog.de/tag/selbstbestimmungsrecht/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Selbstbestimmungsrecht">Selbstbestimmungsrecht</a> der Patientin gewertet werden konnte. Die im September 2002 geäußerte Einwilligung der Patientin, die ihre Betreuer geprüft und bestätigt hatten, entfaltete bindende Wirkung und stellte sowohl nach dem seit dem 1. September 2009 als auch nach dem zur Tatzeit geltenden Recht eine Rechtfertigung des Behandlungsabbruchs dar. Dies gilt jetzt, wie inzwischen § 1901 a Abs. 3 BGB ausdrücklich bestimmt, unabhängig von Art und Stadium der Erkrankung.</p>
<p>Dagegen trifft die Bewertung des Landgerichts nicht zu, der Angeklagte habe sich durch seine Mitwirkung an der aktiven Verhinderung der Wiederaufnahme der Ernährung wegen versuchten Totschlags strafbar gemacht. Die von den Betreuern – in Übereinstimmung auch mit den inzwischen in Kraft getretenen Regelungen der §§ 1901 a, 1904 BGB – geprüfte Einwilligung der Patientin rechtfertigte nicht nur den Behandlungsabbruch durch bloßes Unterlassen weiterer Ernährung, sondern auch ein aktives Tun, das der Beendigung oder Verhinderung einer von ihr nicht oder nicht mehr gewollten Behandlung diente. Eine nur an den Äußerlichkeiten von Tun oder Unterlassen orientierte Unterscheidung der straflosen Sterbehilfe vom strafbaren Töten des Patienten wird dem sachlichen Unterschied zwischen der auf eine Lebensbeendigung gerichteten Tötung und Verhaltensweisen nicht gerecht, die dem krankheitsbedingten Sterbenlassen mit Einwilligung des Betroffenen seinen Lauf lassen.</p>
<p>Vorinstanz: Landgericht Fulda, Urteil vom 30.04.2009, Az. 16 Js 1/08 &#8211; 1 Ks –</p>
<p><a href="http://www.juristen-blog.de/tag/bgh/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with BGH">BGH</a>, PM Nr. 129/2010</p>
<hr /><small>Copyright &copy; 2008 RA Exner @ juristen-blog.de<br />
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		<pubDate>Thu, 23 Oct 2008 12:01:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>RAin Masuch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Familienrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Vertragsrecht]]></category>
		<category><![CDATA[künstliche Beatmung]]></category>
		<category><![CDATA[lebenserhaltene Maßnahmen]]></category>
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		<category><![CDATA[Selbstbestimmungsrecht]]></category>

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		<description><![CDATA[In den deutschen Bundestag sind am 06.03.2008 rechtspolitische Vorschläge zu einer gesetzlichen Verankerung von Patientenverfügungen eingebracht worden. Danach muss sorgfältig geprüft werden, ob die Festlegungen darin „auf die aktuelle Lebens- und Behandlungssituation zutreffen&#8221;. Schon seit längerem wurde betont, Patientenverfügungen seien grundsätzlich (d. h. schon heute, also auch ohne Gesetz) verbindlich. Wirksamkeit könnten sie allerdings nur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den deutschen Bundestag sind am 06.03.2008 rechtspolitische Vorschläge zu einer gesetzlichen Verankerung von Patientenverfügungen eingebracht worden. Danach muss sorgfältig geprüft werden, ob die Festlegungen darin „auf die aktuelle Lebens- und Behandlungssituation zutreffen&#8221;. Schon seit längerem wurde betont, Patientenverfügungen seien grundsätzlich (d. h. schon heute, also auch ohne Gesetz) verbindlich. Wirksamkeit könnten sie allerdings nur dann entfalten, wenn die Formulierungen zu Behandlungssituationen und -maßnahmen hinreichend konkret sind. Dazu ist medizinisch und rechtlich fachkundige Beratung empfehlenswert.</p>
<p><span id="more-440"></span> Die Funktion einer optimalen, individuell-konkreten <a href="http://www.juristen-blog.de/tag/patientenverfugung/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Patientenverfügung">Patientenverfügung</a> besteht darin, dem Arzt für den späteren Verlust der eigenen Willensfähigkeit Handlungsanweisungen zu geben. Auf deren Präzision kommt es bei der Bestimmung des Patientenwillens an. Die rechtspolitischen Vorschläge haben sich nunmehr in einem Zwei-Stufen-Modell konkretisiert.</p>
<p>RAin Masuch, Schwentinental</p>
<blockquote><p>www.freiepresse.de Eine Gruppe von Abgeordneten um Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) und Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) hat in der Diskussion um die <a href="http://www.juristen-blog.de/tag/patientenverfugung/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Patientenverfügung">Patientenverfügung</a> ein Zwei-Stufen-Modell vorgeschlagen. Demnach soll eine Beratungspflicht für Patienten eingeführt werden, die lebenserhaltende Maßnahmen ablehnen, obwohl sie nicht unheilbar erkrankt sind, wie Bosbach sagte. Nur in Fällen, wo keine Überlebenschance besteht, solle die einfache <a href="http://www.juristen-blog.de/tag/patientenverfugung/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Patientenverfügung">Patientenverfügung</a> ohne Beratung erlaubt sein. Der Vorschlag ist damit restriktiver als der im Bundestag bereits beratene Entwurf von der Gruppe um den SPD-Abgeordneten Joachim Stünker.<br />
Bosbach sagte, das Selbstbestimmungrecht der Patienten solle gestärkt werden. Es müsse aber auch deren Lebenswohl sowie der Pflicht des Staates zum Schutz des Lebens seiner Bürger Rechnung getragen werden. Die Verfügung für Menschen, die eine Heilungschance haben und daher eine Beratung nachweisen müssen, dürfe nicht älter als fünf Jahre sein. Damit solle dem medizinischen Fortschritt Rechnung getragen werden.<br />
Die Regelung zur <a href="http://www.juristen-blog.de/tag/patientenverfugung/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Patientenverfügung">Patientenverfügung</a> bei heilbarer Erkrankung solle jenen Patienten gerecht werden, die ganz genau wüssten, was sie wollen, sagte Göring-Eckardt. Dabei handele es sich um eine eher kleinere Gruppe von Menschen, die etwa <a href="http://www.juristen-blog.de/tag/kunstliche-beatmung/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with künstliche Beatmung">künstliche Beatmung</a> ablehnten. Der SPD-Abgeordnete René Röspel verwies darauf, dass sich der in einer <a href="http://www.juristen-blog.de/tag/patientenverfugung/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Patientenverfügung">Patientenverfügung</a> festgehaltene Wille im Laufe der Jahre verändern könne. Deshalb solle es dort eine Einschränkung geben, wo der Patient nicht ausreichend informiert war.<br />
Die Initiatoren des neuen Antrags wollen ab November Unterschriften weiterer Unterstützer sammeln. Nach Bosbachs Worten soll das gesamte Gesetzgebungsverfahren im kommenden Jahr noch vor dem Ende der Legislaturperiode.</p></blockquote>
<hr /><small>Copyright &copy; 2008 RAin Masuch @ juristen-blog.de<br />
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